Hallo an alle, die mir als Leser noch treu geblieben sind...trotz der ziemlich unregelmäßigen Einträge!
Als ich vor ein paar Tagen mal in meinen Kalender geguckt hab, ist mir bewusst geworden, dass es schon Mitte November ist! Das heißt: ich bin seit 3 Monaten hier und habe schon ¼ meiner Weltwärts- Zeit hier hinter mir! Das war erstmal der totale Schock, als mir das so bewusst wurde...Wenn ich gefragt werde seit wann ich denn schon hier sei, antworte ich immer, ich sei erst vor kurzem angekommen- stimmt ja irgendwie nicht mehr ganz!
3 Monate- das bedeutet im Weltwärts-Programm, dass man die erste Bilanz ziehen muss. Alle 3 Monate muss ein Zwischenbericht angefertigt werden, den man an seine Organisation schickt. Obwohl es in dem Bericht eigentlich nur um meine Arbeit geht und inwiefern ich mit dieser zufrieden bin, musste ich ganz schön nachdenken- wie soll ich 3 Monate mit vielen Hochs und Tiefs auf knapp einer Seite zusammenfassen? Da waren die Tage, an denen ich vor Erschöpfung im Bus auf dem Weg nach Hause eingeschlafen bin, weil die Kinder auch den letzten Rest meiner Energie aufgebraucht hatten... Tage, an denen ich mich bei der Arbeit über vieles aufgeregt und mich irgendwie ausgenutzt gefühlt habe. Und dann andererseits auch solche Tage, an denen sowohl Kinder, als auch Kolleginnen mir eigentlich nur Freude gemacht haben und an denen ich mit dem guten Gefühl nach Hause gehen konnte, im Kindergarten eine echte Hilfe zu sein. Und wie sollte ich daraus nun die Bilanz ziehen? Nach einigem Überlegen sieht meine erste Bilanz nun so aus, dass ich sehr zufrieden mit allem bin. Ich komme zwar täglich total erschöpft von der Arbeit und brauche entweder eine Pause oder eine Dose Red Bull, um abends noch etwas unternehmen zu können, aber letztendlich bin ich doch glücklich, in dieser Einrichtung gelandet zu sein- vor allem wegen der Kinder, die ich mittlerweile echt ins Herz geschlossen habe.
Und wie die Zeit so im Fluge vergangen ist, stehen schon die Sommerferien vor der Tür! In einem Monat geht es für mich schon zum Zwischenseminar in Buenos Aires und danach nach Puerto Montt, um da mit Martin und seiner Familie Weihnachten und Neujahr zu verbringen. Und auch unser Brasilien-Trip ist jetzt gebucht: vom 21. bis 28. Januar geht es nach Buzios in der Nähe von Rio da Janeiro... Wohlverdiente Ferien!
Und wo ich schon mal am Bilanz ziehen bin, kann ich das ja auch gleich mal für die Zeit außerhalb der Arbeit weiterführen: ich bin sehr glücklich hier, erstmal natürlich, weil ich viel Zeit mit Martin verbringen kann, aber auch, weil ich mich in Chile (das ist ja nichts neues)- und auch in Santiago, obwohl es nicht die schönste Stadt der Welt ist- einfach total wohl fühle. Ich hab hier nicht nur alte Freunde wiedergetroffen, sondern auch neue kennengelernt. Manchmal ist es zwar irgendwie komisch, als einzige nie lernen zu müssen und z.B. am Wochenende eigentlich keine Verpflichtungen für Uni o.ä. zu haben (okay, es lässt sich damit leben würd ich sagen..;) Aber wenn alle anderen lernen müssen, kanns auch langweilig werden)- aber naja, in dieser Stadt findet man eigentlich immer was zu tun. Auch wenn das dann auf Aktionen hinausläuft wie beispielsweise meine Tour in die „Mall Chino“, die quasi „Mini-Chinatown“ von Santiago (zwischen all den Chinesen, die auf Spanisch nichts außer den Preisen ihrer Ware sagen konnten, fühlte ich mich gar nicht mehr als Ausländerin, auch ein Vorteil), gibt es immer irgendwas neues zu sehen, deshalb ist es auch schwer, dass es mal echt richtig langweilig wird... Und wenn doch, könnte man sich auch einfach in einen der Busse setzen, die mit Vollgas durch die vollen Straßen brettern und die Türen schon vor der waghalsigen Vollbremsung vor der Haltestelle aufmachen... Da ist einem als Europäer garantiert nicht mehr langweilig, es sei denn man hat sich schon dran gewöhnt... Ich dachte das sei bei mir der Fall, bis ich letzte Woche eines morgens auf die tolle Idee kam, mir am Kiosk neben der Bushaltestelle einen Becher Tee zu kaufen - für den Weg- Resultat waren dann einige Vollbremsungen später verbrannte Hände und viele mitleidige Gesichter um mich rum...Das passiert, wenn man nicht nachdenkt über die kleinen Besonderheiten im chilenischen Alltag- aber ich hab dazugelernt!
so, jetzt verabschiede ich mich mal wieder- wie nach so gut wie jedem Blogeintrag- ins Bett. Nachdem ich weder am Wochenende, noch in den letzten beiden Nächten genug geschlafen habe, wäre das mal wieder ratsam... Abrazos! Alena
