..und schon wieder rennt die Zeit so unglaublich- tut mir Leid, dass ich mich hier nicht öfter melde, aber im Grunde gibt es ja auch nicht ständig so viele Neuigkeiten, dazu kommt, dass ich in letzter Zeit ziemlich fotografier-faul gewesen bin.
Was die Arbeit angeht, fällt mir vor allem eins ein: nach einem Monat mit den neuen Kindern könnte ich echt schon wieder Ferien gebrauchen! Die Arbeit mit Kleinkindern ist wirklich so viel erschöpfender als ich dachte, und ich muss echt sagen, dass ich Respekt vor denjenigen habe, die sich das zum Beruf machen und jeden Tag wieder mit unglaublicher Geduld und guter Laune an die Arbeit gehen. Ich bereue zwar nicht meine Entscheidung, für 1 Jahr in einem Kindergarten zu arbeiten, weil es eine wichtige und vollkommen „andere“ Erfahrung ist, aber ein ganzes Leben in diesem Beruf muss unglaublich anstrengend sein. Das alles fängt ja schon damit an, dass man Kinder nicht mit logischen Argumenten dazu bekommen kann, irgendwas zu tun oder zu lassen- und das ist ganz besonders in einem Waldorfkindergarten eine echte Geduldsprobe, weil man ja möglichst nicht „nein“ zu einem Kind sagen soll, sondern ihm Alternativen aufzeigen soll. Wenn man nun aber schon gefühlte 20mal die Spielküche aufgeräumt und ausgefegt hat und den Kindern gesagt hat, dass die Küche nun geschlossen ist und sie doch woanders spielen sollen und sie dann nochmal reinrennen und alles wieder durcheinanderbringen, dann komme zumindest ich echt zur Weißglut, und ich hab echten Respekt vor denen, die dann immer noch vollkommen ruhig bleiben. Diese ewige Ruhe und Ausgeglichenheit, die man als Waldorf-Erzieherin ja ausstrahlen soll, ist nicht nur eine echte Geduldsprobe für mich, sondern manchmal frage ich mich auch, wo da der Lerneffekt sein soll- besonders für Kinder, die schon von zu Hause aus keine wirklichen Grenzen aufgezeigt bekommen.
Das ist also der anstrengende Teil der Arbeit momentan- besonders, weil ja fast alle Kinder neu sind und die „Spielregeln“ im Kindergarten und im Umgang mit anderen Kindern noch nicht kennen- da werden also schonmal ordentlich Schläge, Tritte, Bisse und Schimpfwörter ausgeteilt, das wird aber hoffentlich bald besser. Ansonsten sind natürlich auch viele liebe und umgängliche Kinder dazugekommen, die einem echte Freude machen können. Außerdem ist das Arbeitsklima durch den Personalwechsel zum Anfang des Jahres nun wesentlich entspannter, auch wenn es manchmal noch etwas an Struktur fehlt. Wir vermissen natürlich Yanette, die ehemalige Köchin und „Haushälterin“ des Kindergartens, der aus finanziellen Gründen gekündigt wurde- nun müssen wir ja unter uns Aufgaben wie Kochen und Putzen aufteilen. Allerdings kann es an stressigen Tagen auch mal eine echte Entspannung sein, für eine halbe Stunde in der Küche zu arbeiten, etwas weiter weg von Geschrei und Chaos.
In unserer kleinen WG geht es weiterhin lustig zu, auch wenn für Pori und Martin die Uni inklusive Klausuren auch wieder angefangen hat. Gerade durfte ich zwar meine Bettwäsche mit der Hand waschen (das ist schon ein Vorteil daran, in nem Haus mit Waschmaschine zu wohnen ;) ), aber das ist eigentlich auch das einzige kleine Manko ;)
Morgen fahre ich in das 1,5 Stunden entfernte Valparaíso, wo ich mich mit Magda, einer anderen deutschen Freiwilligen von derselben Organisation wie ich treffe- ihr Freund kommt aus Valparaíso, deshalb hab ich auch schon ein Dach über dem Kopf, und natürlich freut man sich immer, mal für ein Wochenende aus Santiago rauszukommen und mal wieder das Meer zu sehen.. Und Valparaíso ist eine echt schöne Stadt, ich werd versuchen, jede Menge Fotos zu machen!
In 2 Wochen ist dann ja auch schon Ostern; da fahre ich mit Martin nach Puerto Montt zu seiner Familie, da ist es bestimmt schon richtig kalt- hier in Santiago genießen wir ja, obwohl der Herbst offiziell schon angefangen hat, immer noch Temperaturen bis zu 30 Grad, und das kann, wenns nach mir geht, auch noch eine Weile so bleiben ;)
Also, das wars mal wieder von mir, ich melde mich bald wieder, hoffentlich mit schönen Fotos aus Puerto Montt und Valparaíso.. Und vielleicht auch von der Arbeit, ich werd demnächst, wenn sich die Kinder etwas eingewöhnt haben, mal wieder Fotos machen.
Un abrazo gigante! Alena
Bilder von der "Concha Acustica", einem Konzert in Martins Uni
Av. Colón und rechts unser Gebäude
im Kindergarten