-zumindest für ein paar Tage, das ist manchmal schön zum Luft holen und um sich daran zu erinnern, wie schön dieses Land eigentlich ist. Ich mag Santiago als Stadt, keine Frage, es gibt immer etwas zu tun und neues kennenzulernen, aber wirklich schön ist es hier, wenn man ehrlich ist, nicht- zu dem Schluss würden wohl die meisten Einwohner dieser Stadt kommen. (bei denen, die nicht hier wohnen, ist es da einfacher; die allermeisten Bewohner der Regionen, die ich kenne, finden Santiago einfach grauenvoll)
-aber wie gesagt, rauskommen ist immer schön. Und deshalb widme ich diesen Blogeintrag den beiden Wochenendausflügen, die ich in der letzten Zeit gemacht habe:
der viel zu kurze „nicht-mal-ganz-Wochenendausflug“ nach Valparaíso, eine Stadt, die etwa 1,5 Stunden entfernt von Santiago am Meer liegt, und dem Osterwochenende in Puerto Montt/Llancuahue, das ich zusammen mit Martin und seiner Familie verbracht habe.
Erstmal also zu Valparaíso, der Stadt, von der die meisten Touristen, die sie kennen lernen, und auch viele Chilenen begeistert sind. Ich war schon einmal für einen „Blitzbesuch“ in Valparaíso, und zwar vor 2 Jahren zusammen mit Martin und einem Freund- diesmal war ich zusammen mit Magda, einer anderen deutschen Freiwilligen, und ihrem Freund Roberto, der aus Valparaíso stammt, unterwegs. Recht unwegsam finde ich diese Stadt irgendwie- eigentlich fangen direkt hinter dem Hafen hohe Hügel an, auf denen die meisten Wohnviertel gebaut sind, unüberblicklich wie ein Labyrinth, ein Haus ist irgendwie auf das andere gestapelt, und alle sind in bunten Farben angemalt- zumindest auf den „Vorzeigehügeln“ wie z.B. dem Cerro Alegre, wo sich die meisten Touristencafés etc befinden. Andere Teile dieser Stadt haben da ein ganz anderes Gesicht; Valparaíso ist eine der ärmsten Städte Chiles- der Hafen hat, wie mir erklärt wurde, schon lange nicht mehr die Bedeutung von früher, und andere Industrie o.ä. Ist in dieser Stadt schlecht möglich- es gibt irgendwie schlicht und einfach keinen Platz für mehr Wachstum dort, das ist irgendwie mein Eindruck...Aber dieses vollgestopfte und labyrinthartige schafft eine Atmosphäre, die ich so noch nirgendwo anders gesehen habe. Viele Hauswände und baufällige Gebäude, Mauern etc sind bunt bemalt mit Mustern, bunten Farben und Bildern, Gedichten, politischen Slogans und so weiter. Die ganze Stadt ist ein einziges Kunstwerk, das so in sich gewachsen ist (wann und wie all die Wandbemalungen entstanden sind, weiß ich nicht), und wird nicht zuletzt deshalb als „Kulturhauptstadt“ Chiles bezeichnet- sie soll eine große Inspiration für Künstler aller Art sein, und das kann ich mir sehr gut vorstellen.
-am langen Osterwochenende haben Martin und ich uns mit dicken Winterjacken, Mützen etc ausgerüstet auf die lange, 13-stündige Busreise nach Puerto Montt gemacht, um seine Familie zu besuchen. Leben könnte ich im kalten und regnerischen Süden von Chile vielleicht nicht- aber wunderschön ist es dort allemal. Martins Eltern haben uns für das Wochenende zu einem ganz besonderen Platz eingeladen: den „Termas de Llancuahue“. Ich habe keine Ahnung, wie sie auf die Idee gekommen sind, ausgerechnet dorthin zu fahren, denn besonders gut erreichbar war diese kleine Insel, auf der sich die Thermen befinden, nicht- aber in Chile ist man ja nicht so zimperlich mit Entfernungen, also gings, kaum in Puerto Montt angekommen, wieder los: 3 Stunden mit dem Auto, 20 Minuten mit der Autofähre, dann nochmal 1 Stunde mit dem Auto, um es schließlich abzustellen und mit einem Mini-Motorboot zu der kleinen Insel in den Fjorden Südchiles zu düsen. Die 2 Tage auf dieser Insel haben mich wieder dran erinnert, wie einzigartig die Landschaft dort im Süden ist- eine riesige Weite, das Meer, der Wind, die vielen kleinen Inseln, und der riesige Kaltregenwald auf dem Festland...Ich war mal wieder überwältigt davon, wie sehr die Welt an manchen Orten einfach noch in Ordnung ist. Diesen Teil von Südchile kannte ich noch nicht- aber jetzt, wo ich dank der Eltern von Martin eine kleine Tour durch diese Wälder und diese Landschaft machen konnte, verstehe ich voll und ganz den Ex- Besitzer der Marken The North Face und Esprit, Douglas Tompkins, der einen großen Teil seines Vermögens dafür ausgegeben hat, diesen Teil Chiles zu kaufen und ihn zum Naturschutzgebiet („Parque Pumalín“) zu erklären. Es ist unglaublich, jetzt wieder in Santiago zu sitzen und nur Beton, Smog und Autos zu sehen, und dabei zu denken, dass im gleichen Land noch eine solche Natur existiert- aber es ist sehr beruhigend, zu wissen, dass es Leute gibt, die ihre Macht und ihr Geld dafür nutzen, diese letzten „echten“ naturbelassenen Gebiete zu schützen. Die Thermen selber waren ein tolles und seeeeeeehr entspannendes Erlebnis- in Llancuahue gibt es eine warme, schwefelhaltige Quelle, deren Wasser direkt in die Becken des Thermen-Hostals, geleitet wird. Zuerst fand ich den Geruch nach Schwefel und den Gedanken, bei ca. 6 Grad Lufttemperatur im Bikini vom Haus bis zum Pool zu hüpfen, etwas abschreckend...Aber zum Glück konnte ich mich doch dazu durchringen, und wollte dann gar nicht mehr aus raus: das warme Wasser und der wahnsinnige Ausblick aufs Meer und die benachbarten Inseln waren einfach sehr gut für Körper und Geist, und so konnten wir entspannt und erholt ins schnelle und hektische Alltagsleben Santiagos zurückkehren.
- soviel also zu meinen kleinen Reisen- ansonsten gibt es nicht viel neues, alles ist beim Alten, bei der Arbeit genauso wie privat. Tut mir übrigens sehr Leid, dass ich gar keine Fotos vom Kindergarten mehr hochlade, aber momentan bleibt bei der Arbeit einfach keine Zeit zum fotografieren. Irgendwann schaff ichs schon noch ;)