So, nun ist mein Ferienmonat Januar auch schon wieder vorbei, das heißt, das Alltagsleben in Santiago geht weiter- auch wenn man bisher noch nicht wirklich von Alltag sprechen kann, da sich über die Ferien vieles geändert hat.
Aber fange ich mal von vorne an. Meine Ferien wurden nämlich von einem sehr traurigen Ereignis überschattet: Josefina, die Schwester meines Freundes Martin und eine gute Freundin von mir, hatte Anfang Januar einen schweren Motorradunfall und ist 8 Tage später an ihren schweren Kopfverletzungen gestorben. Dazu kann ich nun nicht viel schreiben oder berichten, das ganze lässt mich immer noch ziemlich sprachlos. Auf den Tod eines Menschen, der einem nahe steht, ist man nie vorbereitet und es ist immer schwer damit umzugehen, aber ganz besonders schwer ist es natürlich, wenn ein 21jähriges, kerngesundes Mädchen einfach so aus dem Leben gerissen wird. Sinnlos, ungerecht und wahnsinnig traurig. Aber, so schwer es auch ist: das Leben geht weiter und man kann nichts ändern und nichts verbessern an dem was passiert ist, es hat keinen Sinn, Schuldige zu suchen oder ewig zu trauern.. Und das wäre auch das letzte gewesen, was Jose gewollt hätte.
Nach einigem Überlegen haben Martin und ich uns also entschieden, unsere Reise nach Brasilien trotz allem anzutreten- zwar nicht so fröhlich und ausgelassen wie es vielleicht normalerweise gewesen wäre, aber trotzdem mit jeder Menge Vorfreude und auch ein wenig Angst angesichts der neuesten Nachrichten aus Brasilien, die sich eher nach Überflutungen und Schlammlawinen anhörten als nach entspanntem Urlaub und Ablenkung.
Diese Befürchtungen haben sich jedoch Gott sei Dank nicht bestätigt: während der kompletten Woche in Buzios (ca. 2 ½ Std nördlich von Rio de Janeiro) hat sich kaum eine Wolke blicken lassen. Wir konnten also 7 Tage lang die (seeehr entspannte und fröhliche) brasilianische Lebensart, die wunderschönen Strände und den strahlenden Sonnenschein genießen- das war genau das, was wir nach diesen traurigen und anstrengenden Wochen gebrauchen konnten.
Nun bin ich also gut gebräunt und auch ein wenig erholt zurück in ``la capital“, der Hauptstadt, also in anderen Worten im guten alten Santiago. Diese Ferien, in denen sich irgendwie durch das, was passiert ist, so vieles verändert hat, haben auch in meinem Leben hier Spuren hinterlassen: Martin wäre ab jetzt in eine WG mit einer weiteren guten Freundin von uns und Josefina gezogen, und nach Joses Tod haben mich die Eltern gefragt, ob ich nun mit Martin und Francisca in die Wohnung ziehen möchte. Natürlich hat es sich anfangs etwas komisch angefühlt, Joses Platz nun was die Wohnung betrifft so „einzunehmen“, aber mittlerweile freue ich mich sehr auf unsere kleine 3er-WG, im Moment muss in der Wohnung noch vieles erledigt werden, Umzugsarbeiten eben, aber wir hoffen, schon nächste Woche dort einziehen zu können. Der Auszug aus meiner bisherigen Pension fiel mir nicht ganz leicht, da ich meine Vermieterin oder Gastmama schon ziemlich ins Herz geschlossen hatte- aber es bringt auch viele Vorteile mit sich, da ich in meinem alten Zuhause viel alleine war und mir das (besonders abends) manchmal nicht so ganz zugesagt hat (mein Zimmer war ein kleiner Anbau außerhalb des Hauses und ich konnte absolut nicht hören, was im Haus vor sich geht, das war mir manchmal einfach nicht ganz geheuer, wenn ich eben bis nachts alleine war)- nun werde ich also weniger alleine sein, näher an vielen meiner Freunde wohnen, ein schöneres Zimmer haben...Also, kurz gesagt, freue ich mich auf die 2. Hälfte (ja, ich bin wirklich schon 6 Monate hier...) meines Jahres im neuen Zuhause.
Auch bei der Arbeit hat sich nicht nur für mich, sondern für das Projekt insgesamt über die Ferien so einiges grundlegend geändert. Erst einmal musste sich die Kindergartenleitung aus finanziellen Gründen von Yanett, der Hausmeisterin und Köchin des Projekts, trennen. Das kam für mich erst einmal ziemlich überraschend, aber vor allem macht es mir jetzt echte Sorgen, da Yanett quasi die Seele der Einrichtung war, da sie an allen Ecken und Enden ausgeholfen und mitgewirkt hat und einfach schon von Anfang an dabei war. Die nächste Überraschung war, dass auch die „Haupt-Erzieherin“ des Kindergartens kurz darauf rausgeworfen wurde- in ihrem Fall lag das allerdings an einigen Punkten, in denen ich der Leitung eigentlich nur zustimmen kann- für mich ist es also nicht die schlechteste Entscheidung. Ich beginne das neue Jahr jetzt mit vielen positiven Hoffnungen in die neue Erzieherin, die kommen wird, da einige Dinge im letzten Jahr nicht gerade ideal liefen. Aber trotz aller neuer Hoffnungen beginnt das Jahr auch mit vielen Zweifeln, da dem ganzen Projekt ein großer Teil der Basis entzogen wurde, die unter anderem dazu beigetragen hat, dass die Eltern der Kinder Vertrauen in den Kindergarten hatten- wie das alles nun nach dem Personalwechsel sein wird, muss man eben mit der Zeit sehen. Und da Yanett nun fehlt, wird den Erzieherinnen und (wahrscheinlich ganz besonders) uns Freiwilligen eine ganze Menge mehr Arbeit abverlangt werden- es muss ja auch im neuen Jahr täglich gekocht, abgewaschen, eingekauft und geputzt werden.
Wie das alles funktionieren soll, wird sich allerdings erst im März zeigen- der Februar ist hier in Chile noch Sommerferien- Monat. Da das Weltwärts-Programm uns Freiwilligen allerdings nur einen Monat Ferien zugesteht, muss ich seit letzter Woche nun wieder ran an die Arbeit. Das Entspannte an der „Sommerarbeit“ ist allerdings, dass ich eine To do-Liste bekommen habe, die ich abarbeiten muss- wann ich komme und wie lange ich bleibe ist mir überlassen, solange ich alle Sachen erledige. Und das gefällt mir natürlich seeeehr gut, nicht nur, weil ich ein wenig ausschlafen und mir die Zeit selbst einteilen kann, sondern auch, weil ich momentan vorübergehend im Haus von Martins Tante etwas außerhalb von Santiago wohne und deshalb jeden Tag dann in die Stadt fahren kann, wenn eben jemand mit dem Auto in die Richtung muss. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es von hier draußen doch sehr stressig, bis zu meiner Arbeit zu kommen.
Ansonsten bleibt nur noch zu berichten, dass ich am Mittwoch meinen 20. Geburtstag (unglaublich aber wahr, 20!!!besser gar nich drüber nachdenken) gefeiert hab- zum ersten Mal in meinem Leben mit strahlendem Sonnenschein, so wie ichs mir von kleinauf gewünscht habe- im Sommer Geburtstag haben ist doch einfach viel schöner! Wirklich feiern konnte ich den Geburtstag allerdings noch nicht, da eigentlich alle meine Freunde noch im Urlaub oder in den Regionen bei ihren Familien sind- Martin und ich gehören zu den sehr wenigen Hartgesottenen, die den Februar in Santiago verbringen, was sollen wir auch anderes machen, die Arbeit ruft (Martin macht momentan ein Praktikum, das er für seinen Studiengang braucht.)- aber was solls, die Party kommt dann eben im März!
Also, das war nun das große Sommer-Update.Trotz aller Umbrüche und Traurigkeiten der Ferien fange ich das neue Jahr optimistisch und fröhlich an- wenn ich in Südamerika bisher eins gelernt habe, dann ist es die Tatsache, dass man nach einigem Drehen und Wenden und im Laufe der Zeit aus allem irgendwo was Positives oder Nützliches gewinnen kann.
Un abrazo.
Alena
Josefina. q.e.p.d.
nach der Silvesterparty- erster Sonnenaufgang 2011
zurück im guten alten Puerto Montt
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Brasilien:
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Geburtstag
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